Willkommen

Ägypten

Bali

Formentera

Gran Canaria
Playa del Ingles
Maspalomas
Las Palmas
Inseltour

Istrien

Lanzarote

Malediven
Embudu
Summer Island


Mauritius
Embudu
Summer Island


Paros

Sri Lanka

Sibirien

Türkei
Alanya
Kappadokien
Kemer

Tunesien

Venezuela
Isla Margarita
Los Roques
Orinocodelta
Paria
Puerto Piritu

Vietnam


Unsere erste weite Reise liegt schon viele Jahre zurück. Wir haben 1985 mit der Transsibirischen Eisenbahn die damalige UdSSR durchquert. Fernreisen waren zu der Zeit noch etwas Außergewöhnliches, aber diese Reise ist wohl heutzutage noch etwas Besonderes.


Transsibirische Eisenbahn ist mit 9.288 km die längste durchgehende Eisenbahnstrecke der Welt. Sie führt von Moskau nach Wladiwostok an mehr als 80 Stationen vorbei. Es gibt rund 400 Bahnhöfe bzw. Haltepunkte. Die ersten Pläne für den Bau entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts, realisiert wurden sie vonDie Zar Alexander III.. Die Bauzeit dauerte von 1891 bis 1916, der Bau erfolgte in mehreren Etappen und an mehreren Orten im Land. Dabei wurden über 800 Brücken erbaut. Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte der zweispurige Ausbau der Bahnstrecke. Auf der Strecke fahren verschiedene Züge, darunter sind auch Sonderzüge für Touristen.


Ich kann mich noch gut erinnern, dass wir am Abend vor der Abreise recht aufgeregt waren. Bis zu dem Zeitpunkt kannten wir einige Mittelmeerziele und nun wollten wir eine für uns völlig fremde Welt erkunden. Am nächsten Tag ging es dann los, der Flug führte uns über Wien nach Moskau, wo zunächst zwei Übernachtungen eingeplant waren. Wir wurden von unserer deutschsprachigen Reiseleiterin in Empfang genommen und zum Hotel gebracht. In den nächsten beiden Tagen konnten wir die Highlights dieser Stadt kennen lernen. Eine Stadtrundfahrt führte uns zum legendären Roten Platz  und wir konnten dort die Basilius-Kathedrale mit ihren leuchtend bunten Kuppeln bestaunen. Auch durch das Kreml-Gelände mit dem Palast und der Zarenglocke und der Zarenkanone wurden wir geführt. Dort war das politische Zentrum der UdSSR, die damals das größte Land der Erde war. Die Zeit reichte natürlich nicht, um alles, was uns interessierte, in Ruhe anzuschauen. 

Am dritten Tag wurden wir nachmittags zum Jaroslawler Bahnhof und dort sollte die Fahrt mit dem Transsibirien-Express auf der längsten Eisenbahnstrecke der Welt beginnen. Der Jaroslawler Bahnhof befindet sich in der Moskauer Innenstadt am Komsomolskaja-Platz. Er ist an das Moskauer Metronetz angeschlossen, zwei Stationen liegen direkt unter dem Platz. Verschiedene Straßenbahn- und Trolleybus-Linien bieten weitere Verkehrsanbindungen. Der Jaroslawler Bahnhof ist ein Kopfbahnhof und Ausgangspunkt der Transsibirischen Eisenbahn. Es starten Züge nach Nordrussland, in den Ural, nach Sibirien, nach Russisch-Fernost, in die Mongolei sowie in die Volksrepublik China. Der Bahnhof wurde 1862 errichtet und somit bildet er den ältesten Verkehrsknotenpunkt Moskaus. Das Bahnhofsgebäude wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von dem Jugendstil-Architekten Fjodor Schechtel umgebaut.

Die Strecke sollte uns über Jaroslaw, Perm, Swerdlowsk, Tjumen Omsk und Nowosibirsk in das 5191 km entfernte Irkutsk führen. Dort war ein Aufenthalt eingeplant, danach sollte es über Ulan-Ude, Tschita, Belogorsk und Birobidschan nach Chabarowsk gehen. Diese Strecke betrug 3340 km. Damals war Chabarowsk der Endpunkt der Reise, heute führt sie bis nach Wladiwostok. Diese Stadt war jedoch auf Grund ihrer Bedeutung für die sowjetischen Pazifikflotte bis 1991 für Ausländer nicht zugänglich. 


Nun konnten wir uns in unserem rollenden Quartier einrichten, wir hatten uns für diese Reise ein Zwei-Bett-Abteil gegönnt. Dann lernten wir die wichtigste Person im Zug kennen, die Schaffnerin. Pro Waggon waren zwei Schaffner oder Schaffnerinnen für das Wohlergehen der Reisenden zuständig. Gegenüber dem Dienstabteil gab es einen Samowar, so dass wir jederzeit unseren Tschai (Tee) bekommen konnten. Im Speisewagen konnten wir die russischen Spezialitäten wie Kaviar, Borschtsch und Pelmeni probieren. Immer wieder haben wir gestaunt, was in der winzigen Bordküche gezaubert wurde. Da wir mit einer Reisegruppe unterwegs waren, hatten wir auch Unterhaltung. Ich verschwand abends im Nachbarabteil zum Kartenspielen und mein Mann hat es sich mit einem guten Buch gemütlich gemacht. Morgens hat sich alles auf dem Flur versammelt und es wurde überlegt, in welcher Zeitzone wir uns befinden. Während der Reise wurden insgesamt sieben Zeitzonen durchquert. Bei den Fahrplänen wurde die Moskauer Zeit verwendet, diese wurde auch von den Bahnhofsuhren angezeigt. Im Zug hingen der Fahrplan und eine Landkarte, so konnten wir verfolgen, wie wir uns immer weiter in Richtung Osten bewegten. Den Tag haben wir überwiegend damit verbracht, aus dem Fenster zu schauen. Die Landschaft veränderte sich ständig, Sonnenblumenfelder wechselten sich ab mit kleinen Dörfern, dann zogen Birkenwälder an uns vorbei oder wir fuhren durch Steppengebiet. In der Taiga sahen wir Nadelwälder, Sümpfe und Torfmoore. An größeren Bahnhöfen wurde angehalten und wir konnten für einige Minuten aussteigen. Das war immer ein besonderes Erlebnis! Wir sahen Frauen, die ihr bescheidenes Angebot auf Kinderwagen präsentierten. Es gab auch kleine Holzhütten, an denen sich die Reisenden mit Proviant versorgen konnten. Aber auch die Küche wurde mit Nachschub versorgt und wir konnten zusehen, wie in Windeseile riesige Kohlköpfe und andere Lebensmittel eingeladen wurden. Dann ging die Fahrt weiter und nachdem wir den Ural durchquert hatten, waren wir im asiatischen Teil der UdSSR. Ein weiterer Höhepunkt war die Überquerung des Jenissej bei Krasnojarsk. Er gehört mit einer Länge von 4.092 km zu den längsten Flüssen Sibiriens.

Am vierten Tag nach unserer Abreise in Moskau erreichten wir Irkutsk , wo ein Aufenthalt eingeplant war. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, wurden wir bei einer Stadtrundfahrt mit den Sehenswürdigkeiten der sibirischen Metropole bekannt gemacht. Im Heimatmuseum konnten wir einiges über das Leben in Sibirien erfahren. Typisch für Irkutsk sind die Holzhäuser mit ihren kunstvollen Schnitzereien. Dann stand noch ein Ausflug in die Taiga mit einem Essen in einer Hütte auf dem Programm. Das war auch ein schönes Erlebnis und wir hatten viel Spaß mit unserer Reisegruppe.

Für den nächsten Tag war einer der Höhepunkte unserer Reise geplant, eine Tour zum Baikalsee. Der Baikalsee ist mit 25 Millionen Jahren der älteste und mit 1.637 m der tiefste Süßwassersee der Erde. Seine Länge beträgt 635 km, an seiner breitesten Stelle ist er 80 km, an seiner schmalsten 23 km breit. Mit einem Volumen von 23.000 Kubikmeter ist er das größte Süßwasserreservoir der Erde. Von November bis Januar ist der See zugefroren, im Mai bricht das Eis. An der Wasseroberfläche liegt die Temperatur im August bei 9 bis 12°C, in Ufernähe erreicht sie manchmal 20 °C. Seit 1996 gehört die Baikal-Region zum UNESCO-Naturerbe. Im See befinden sich 22 Inseln, die größte davon ist Olchon mit 730 qm. Der See und seine Umgebung sind die Heimat von 1.500 Tier- und 1.000 Pflanzenarten, davon sind zwei Drittel endemisch, sie kommen ausschließlich dort vor. Zu den Tieren des Baikalsees gehören die Baikalrobbe, der Omul (eine Lachsart) und der Golomjanka, der am tiefsten lebende Süßwasserfisch der Erde. 230 Arten von Flohkrebsen sorgen für die Sauberhaltung des Wassers. Der 2 Millionen Hektar große Nationalpark, der um den See liegt, beherbergt Luchse, Bären, Hirsche und Wölfe. 


Wir waren tief beeindruckt, nicht nur von der Größe des Sees, sondern auch von der einzigartigen Schönheit der Landschaft. Wir hatten auch die Gelegenheit, uns ein Dorf anzuschauen und zu sehen, wie die Menschen dort leben und arbeiten. Es war für uns, als wäre die Zeit irgendwann stehen geblieben! Da wurde die Wäsche noch im Fluss gewaschen, uns erschien das alles wie eine andere Welt.


Das sollte sich am nächsten Tag ändern, da lernten wir Bratsk kennen. Das ist eine recht junge Industriestadt. Sie besitzt ein Wasserkraftwerk, das zu den größten der Welt zählt. Der Stausee am Fluss Angara ist mit einer Fläche von 5.470 km² und einem Stauvolumen von 169,27 km³ der drittgrößte Stausee der Erde. Die Bauzeit war in den Jahren 1954 bis 1966. Für den Bau wurden die Einwohner von 264 Siedlungen umgesiedelt. Die Staumauer ist 127 m hoch, der See hat eine Länge von 557 km. Oberhalb der Stadt Bratsk befindet sich ein Großkraftwerk mit 18 Turbinen und einer Leistung von 4500 MW. Uns hat beides beeindruckt, die gewaltige Industrieanlage sowie die mächtige Staumauer mit ihrer Höhe von 125 Metern. Mit dem Flugzeug, einer Propellermaschine, ging es zurück nach Irkutsk.



Am nächsten Morgen setzten wir die Zugfahrt mit dem Transsibirien-Express fort in Richtung Chabarowsk. Diese Strecke führte uns am Amur entlang, das war landschaftlich ein Traum! Besonders schön war es am späten Nachmittag, wenn ein Gemisch aus Sonne, Wolken und Wasser an uns vorbeizog. Nach drei Tagen Bahnfahrt erreichten wir Chabarowsk . Die Stadt liegt am Amur in der Nähe zur chinesischen Grenze. Schon damals war sie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ein industrielles Zentrum. Auf uns machte Chabarowsk einen sehr modernen Eindruck. Es gab gepflegte Grünanlagen, Promenaden und breite Alleen. Der nächste Tag läutete das Ende unserer Reise ein. Es ging per Flieger zurück nach Moskau, wo noch eine Übernachtung auf dem Programm stand. Danach flogen wir, voll mit neuen Eindrücken, die bis heute noch lebendig sind, über Wien zurück nach Frankfurt.